Durchhalten

Dahinter geht es weiter …!


Eine Abhandlung aus dem einstigen Themenarchiv

Durchhalten – … aber wie? Und vor allem: wozu?

Wenn manchmal gar nichts mehr (weiter) geht …
Manchmal bis häufiger scheint alles um einen herum im Leben stillzustehen.

Man fühlt sich schwer und kraftlos. Entmutigt. Ausgelaugt. Fertig. Hoffnungslos. Traurig, depressiv und schwermütig.

Früher dachte ich immer, so einen Stimmungswechsel von einer Sekunde auf die andere, von “himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt”, das gibt es entweder gar nicht, oder das passiert entweder Teenagern oder Frauen in den Wechseljahren.

Doch so einfach kann man sich das nicht machen. Da ich weder zur einen noch zur anderen Kategorie gehöre, weiß ich, dass meine eigenen krassen Stimmungsschwankungen schon ihre ganz spezielle Ursache haben, haben müssen; und dass es nicht lediglich oder ausschließlich ein Produkt irgendwelcher Hormonschübe sein kann.

Man fühlt sich, als wäre man von Kopf bis Fuß mit einem dunklen, klebrigen Morast gefüllt. Kennt Ihr solche Art von Träume, in denen man weglaufen will – es aber nicht funktioniert, weil scheinbar Bleigewichte an den Beinen hängen und man entweder nur in Zeitlupe vorwärtskommt oder schlimmstenfalls sich gar nicht bewegen kann?

Und dann das Schreckliche: man soll, man hat zu funktionieren! *grusel*

Der Mann hat zu arbeiten, für sich und ggf. auch für seine Familie zu sorgen. Er muss buchstäblich “tapfer, stark und entschlossen” sein – aber wie, wenn man wie ferngesteuert überhaupt nicht mal im Ansatz lebendig ist?

Und Frau – auch sie hat es nicht leicht, nach aussen hin den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen. Frau hat ihren Job, Kinder, Haushalt, Familienbande allgemein, Kochen, Putzen, Waschen … sie muss eben absolut und total “normal funktionieren”.

Aber – wie?

Du lernst noch, entweder in Schule oder Beruf? Du musst auch “funktionieren” und der sogenannten Norm entsprechen, indem Du brav Deine Leistungen erbringst?

Ja – aber wie, wie, wie???

Ehrlich gesagt, dieses Thema ist so schwierig, dass ich erst an genau dieser Stelle einen Schluss-Satz schreiben wollte, und zwar diesen hier:

 


Ich kenne dieses Mist-Gefühl … und Leute: ich hab keinen Plan, was ich Euch dazu sagen soll oder kann …


Diese Unterseite erstelle ich ja nicht ohne Grund. Denn im Moment, in wirklich genau diesem Moment, fühle ich mich nämlich so. Irgendetwas lähmt mich komplett und ich habe echt noch nicht mal den Hauch einer Ahnung, wie diese Seite enden wird.

1. Zunächst einmal bleibt festzuhalten:

° Leute, die Dir emotionslos und ungeduldig, ggf. auch selbstsüchtig, einreden wollen: “Reiß Dich mal zusammen, wird schon nicht so schlimm sein!” – sind dumm. Vergiss dieses phrasenhafte Gerede!

° Leute, die ernsthaft und offensichtlich bemüht aussprechen: “Komm, steh wieder auf, versuche es doch zumindest!” – sind so wischiwaschi. Es kann gut sein, dass sie es ernst meinen, aber reichen sie Dir auch wirklich die Hand?

° Leute, die Dir gefühlvoll und entschlossen die Hand reichen: “Komm!” – sind selten. Reichen sie Dir ihre Hand einmal … oder sogar öfter?

Es ist schön, solche Menschen zu kennen und vielleicht sogar in seiner Nähe zu wissen. Aber – wer muss eigentlich wirklich die Arbeit machen?
Wer muss sich entscheiden?
Wer muss aufstehen?
Wer muss durchhalten, Tag für Tag?

2. Und warum?
Durchhalten – warum? Tu ich das für all die anderen um mich herum, für die Erledigung meiner täglichen Verpflichtungen … oder tu ich das auch für mich selbst?

Ok. Du solltest es eben in erster Linie für Dich selber tun. Du hältst durch, für Dich alleine! Du tust es für Dich, um Deinetwillen!

Und warum solltest Du für Dich selbst durchhalten? Was ist Dein persönlicher Anreiz dazu? Sprich: “Was habe ich vom Leben, was erwarte ich denn von mir und für mich, wenn ich mich dazu aufraffe, durchzuhalten?”

zu 1. Ergreife die Hand.

Zunächst einmal: Solltest Du eine Hand in Deiner Nähe wissen, die Dir gefühlvoll & entschlossen mit einem herzlichen “Komm!” gereicht wird, dann nimm sie bitte ohne schlechtes Gewissen an. Niemand kann sich selber an den eigenen Haaren aus einem Sumpf ziehen!

Siehst Du keine Hand, dann schau Dich um. Ist da nicht vielleicht doch eine? Falls nicht, suche eine!

Eine “Hand” kann auch im übertragenen Sinne etwas ganz Besonderes sein, was Dir hilft, Dich besser zu fühlen. Schreiben? Malen? Musizieren? Etwas besonderes anpacken, z.B. ein neues Projekt in der Arbeit? Oder mal schauen, sich ein total neues & unbekanntes Hobby zuzulegen?
Auszugehen – raus an die frische Luft.

Aber: Versuche, in irgendeiner Form aktiv zu werden. Glaube mir: Du wirst! Dich besser fühlen!

Wichtig ist auch folgendes:
Versuche, suchtgefährdenden Mitteln aus dem Weg zu gehen; z.B. Pillen; Alkohol; Drogen; exzessives Einkaufen; Glücksspiele; zu viel Internet …

Denke auch daran, dass Du die Hand, die Du nimmst, ebenfalls genauso entschlossen annehmen solltest, als wie sie Dir gereicht wird. Nicht selbst eine halbherzig-wabbelige, schwammige eigene Hand reichen; sondern mutig und entschlossen.
Wenn schon – denn schon!

zu 2. Halte stets für Dich selber durch, nicht für die anderen.

Oben habe ich geschrieben:
Und warum solltest Du für Dich selbst durchhalten? Was ist Dein persönlicher Anreiz dazu? Sprich: “Was habe ich vom Leben, was erwarte ich denn von mir und für mich, wenn ich mich dazu aufraffe, durchzuhalten?”

Hast Du schon einmal, falls Du rauchst, versucht, das Rauchen aufzugeben? Dann weißt Du nämlich ganz bestimmt sehr gut, was es heißt: “Ich halte für mich selber durch und nicht für die anderen; selbst, wenn sie es von mir erwarten.”

Man hält (persönlich) etwas durch, um ein (persönliches) Ziel zu erreichen. Und erreichen kann man nur etwas, wenn man es (persönlich) erreichen will. Und man kann etwas Persönliches nur für sich selber wollen und nicht, weil jemand es von einem erwartet. Ein persönliches Ziel kann durchaus auch sein, etwas für jemanden erreichen zu wollen, klar. Aber dieses Thema bezieht sich auf Dich und auf das, was Du für Dich selber willst.

Das Rauchen aufzugeben klappt nur, wenn man es selber will.

Weiterhin kennt man den Spruch: “Nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir.” Dies ist genau dasselbe. Um im Leben nicht hilflos dazustehen, müssen wir gewisse Dinge durchhalten: Zur Schule zu gehen, um Dinge zu lernen. Für einen selbst, und nicht für den Lehrer, der uns Noten gibt.

Warum also durchhalten? Weil Du Dir damit etwas Gutes tust. Etwas, wovon Du lange etwas Positives haben wirst und was Dich in Deinem Leben bereichern wird.

Bitte halte durch. Es lohnt sich.

PS: Meine “Lähmung” ist nun verschwunden – fühlt sich gut an und ich wünsche Dir wirklich so sehr, dass Du das auch für Dich erleben kannst.

 

© Lena van Zwieten de Blom (2005)